Geschäftsreisen zählen nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen – so viel voraus geschickt. Daher begrenze ich die Anzahl meiner Geschäftsreisen auf ein Minimum. Allerdings vertrete ich die Einstellung, dass auch die beste Telepresence Technologie den persönlichen Kontakt mit Geschäftspartnern, Kunden oder Mitarbeitern nicht ersetzen kann. Meine heutige Erfahrung möchte ich gerne in einem kurzen Post hier zusammen fassen. Als Anbieter professioneller Videokonferenzsysteme mag man mir eine gewisse Befangenheit gegenüber Geschäftsreisen nachsagen, mein Bericht soll trotzdem möglichst objektiv sein.

Ursprünglich hatte ich geplant heute einen unserer wichtigsten Kunden für 2 Tage in London zu besuchen. Glücklicherweise waren keine Streiks gemeldet und so entschied ich mich für eine Flugreise mit einer der führenden deutschen Airlines. Also hatte ich den Wecker heute eine Stunde früher gestellt und war pünktlich am Flughafen in Frankfurt, um den Flug nach London City Airport anzutreten. Nur um auf Nummer sicher wegen des Gates zu gehen, warf ich einen kurzen Blick auf die Anzeigetafel der Abflüge. Dort musste ich mit Erstaunen feststellen, dass mein Flug annulliert wurde. Genauso wie frühere Flüge, die nach London City gehen sollten.

Tobias-Enders-Airport-Digital-Signage-cancelled-flights-telepresence-video-conferencing-business-trips-frustrationNachdem ich mich dann am Schalter zurück versichert hatte, wurde mir mitgeteilt, dass die Flüge nach London City wegen Nebels in London abgesagt wurden. Der Flughafen in Heathrow wäre davon allerdings nicht betroffen. Also wurde vorgeschlagen, dass die Airline mich auf einen Flug nach Heathrow umbuchen könnte. Der Flug würde nur rund 2 Stunden nach meinem ursprünglichen Flug starten. Also stimmte ich der 2 stündigen Verzögerung zu stellte mich gedanklich auf einen Reise quer durch London ein. Als ich die Änderung am Schalter besiegeln wollte, wurde mir allerdings im Nachsatz die Einschränkung mittgeteilt, dass mein Platz lediglich auf der Warteliste sein und man nicht garantieren könne, dass ich mitgenommen werde. Nun war für mich der Punkt erreicht, an dem ich mich entschied den Tag nicht mehr nach London zu fliegen und auf die Geschäftsreise zu verzichten.  Nach Rücksprache mit meinen Geschäftspartner durfte ich außerdem mit Verwunderung feststellen, dass lediglich die Flüge meiner Airline nach City gestrichen wurden und alle anderen Airlines munter den Flughafen in London angeflogen hatten.

Rund 20 Minuten später traf ich in meinem Büro ein und nutze meine unverhofft gewonnene Zeit zum gründlichen Aufräumen meiner Dokumenten-Ablage. Um 11:00 Uhr startete dann die verabredete Videokonferenz. Mein eigenes Videokonferenzsystem – eine EX90 von Cisco – steht immer zur Nutzung auf meinem Schreibtisch bereit. Nach 2 Stunden produktivem Meeting mit verschiedenen Teilnehmern auf Kundenseite, nutze ich die Mittagspause für Einkäufe und Erledigungen. Am Nachmittag setzten wir dann unsere Videokonferenz weiter fort.

Anstatt eines gemeinsamen Abendessens mit meinem Kunden sitze ich nun hier und schreibe diesen Post – wohl wissend, dass trotz aller Effizienz sowie Kosten – und Zeiteinsparung auch die beste Videokonferenz oder Telepresence Session nicht den zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen kann. Meine Geschäftsreise ist also nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben und ich freue mich auch schon jetzt meinen Kunden bald wieder persönlich zu treffen.

Ich freue mich über alle Kommentare zum Thema Geschäftsreisen und auch über kritische Meinungen zum Thema “Videokonferenzen statt Geschäftsreisen”.

Photo: Jonathan Cohen / Tobias Enders